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Geschichte der Stadt Hannover



Die Geschichte der Stadt Hannover ist wechselhaft und so einzigartig wie die Geschichte einer jeden Stadt auf ihre Weise einzigartig sein kann. Von der ersten steinzeitlichen Besiedlung über die Römerzeit bis zur Niederlage der Sachsen gegen Karl den Grossen war der Erfolg der späteren Landeshauptstadt keinesfalls erkennbar. Erst die Verbindung mit dem Geschlecht der Welfen legte den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte.

1142 erhielt Heinrich der Löwe das Herzogtum Sachsen zum Lehen und baute Hannover aus. Er hielt dort Hoftage ab, ließ die Aegidienkirche bauen und führte eine eigene Währung ein, um den Handel zu fördern. Der erfolgreiche Landesherr geriet jedoch in Konflikt mit dem Kaiser Friedrich Barbarossa. Heinrich der Löwe wurde 1180 nach England verbannt, kehrte aber schon nach neun Jahren verfrüht zurück. Heinrich der VI., der Sohn Barbarossas, zündete ihm zur Begrüßung die Stadt Hannover an, da er sie nicht einnehmen konnte.

Durch Erbe teilten sich die Welfenlande in der Folgezeit immer wieder, und die Beziehung der einzelnen Häuser innerhalb des Welfengeschlechtes ist kompliziert. Die Landesherren waren politisch schwach und chronisch überschuldet, was der Eigenständigkeit der Stadt nutzte. Der Handel florierte, die Stadt wurde weiter ausgebaut und Mitglied der Hanse, immer mehr Rechte des Landesherren wechselten an Hannover über. Dennoch konnte die Stadt nicht mit Lübeck oder Hamburg konkurrieren. Hannover wurde von wenigen Kaufmannsfamilien geführt, der Rat war unumschränkter Herrscher der Stadt. 1495 zählte man etwa 5.000 Einwohner, als die Stadt, zusammen mit dem Fürstentum Calenberg, an den Welfen Erich I. fiel. Dieser war nun de facto Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und regierender Fürst von Calenberg-Göttingen. Allerdings hatte Erich I. nicht viel Freude an den selbstbewussten Hannoveranern (mit den Göttingern verstand er sich auch nicht besonders). Erst die Hildesheimer Stiftsfehde, ein Lokalkrieg fast aller niedersächsischen Territorialherrscher, bewies dem Fürsten die Treue Hannovers. Er bestätigte daher eine Vielzahl von Privilegien und legte 1529 den Grundstein der berühmtesten Tradition der Stadt, dem Schützenfest. Die Reformation trübte das Verhältnis zwischen Hannover und Landesherren aber erneut. Die Stadt wurde evangelisch. Der Dreißigjährige Krieg brachte Not und Schrecken nach Hannover. Der Handel blieb aus, das Umland wurde verheert, die Stadt musste sich von den Katholiken freikaufen.

Nach dem Krieg residierten die Fürsten von Calenberg in Hannover. Das so genante „Haus Hannover“ wurde begründet, und die alten Welfenland konnten wieder in Besitz genommen werden. 1692 erlangte man die Kurwürde, man sprach nun vom „Kurfürstentum Hannover“. Das Stadtschloss und die Herrenhäuser Gärten waren Zeugnis der absolutistischen Zeit. Mit dem Hofleben kamen auch die Geister ihrer Zeit in die Residenzstadt an der Leine, allen voran der Genius Gottfried Wilhelm Leibniz. Ein Zitat von ihm, dem letzten Universalgelehrten: „Beim Erwachen hatte ich schon so viele Einfälle, dass der Tag nicht ausreichte, um sie niederzuschreiben.“

1714 bestieg Georg Ludwig als Georg I. den englischen Thron. Die Personalunion zwischen England und Hannover begann. Regieren tat man nun vom vornehmen London aus. Die großen Geister wie Georg Friedrich Händel nahm man mit. Das höfische Leben in Hannover endete, der Aufstieg des Bürgertums begann.

Die französische Besetzung ab 1803 und die Abtretung Hannovers zum Königreich Westfalen sorgten für Unmut in der Bevölkerung. Hohe Abgaben und Einquartierung bestimmten den Alltag. Erst nach der Völkerschlacht bei Leipzig konnte Georg III. von England die Stadt wieder in Besitz nehmen. Der Wiener Kongress machte Kurhannover zum Königreich, repräsentative Bauten entstanden. Der Architekt Georg Friedrich Laves wurde zum Hofbaumeister und prägte das Stadtbild mit seinen klassizistischen Bauten (Leineschloss, Waterloosäule, Laveshaus).

1837 bestieg Ernst-August den Thron des Königreichs Hannover, womit die Personalunion mit England endete. Hannover wurde wieder Residenzstadt. Ernst-August war eine herausragende Figur jener Tage, eine Mischung aus Autokrat und Technik-Anhänger. Zum einen oktroyierte er dem Königreich Hannover eine konservative Verfassung auf, die den Protest und die spätere Entlassung der „Göttinger Sieben“ zur Folge hatte, zum anderen förderte er den Ausbau der Eisenbahn. Während der Märzrevolution neigte er jedoch zu zahlreichen Kompromissen und war bis zum seinem Tode 1851 beim Volk äußerst beliebt. Das Denkmal auf dem Bahnhofsplatz zeigt noch heute die Zuneigung der Hannoveraner zu ihrem Ernst-August. 

Mit dem Sieg der Preußen bei Langensalza 1866 änderte sich vieles. Georg V., der letzte Herrscher des Königreiches Hannover, ging ins Exil. Hannover wurde preußische Provinzstadt. Kunst und Kultur, die bisher gefördert wurden, führten nur noch ein Schattendasein. Die Fronten zwischen Welfentreuen und Bissmarkanhängern waren bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches verhärtet. In der Gründerzeit begann jedoch der industrielle Aufstieg Hannovers. Die Bevölkerung wuchs, und die Moderne hielt Einzug in die Stadt. Bahnhofsausbau, Eingemeindungen, Straßenbahn, Bau des Mittellandkanals und Elektrifizierung prägten schon bald das Stadtbild und die Region. Prägend war insbesondere der Bau des Neuen Rathauses (Bauzeit von 1901-1913), das auch heute noch eines der Wahrzeichen Hannovers ist.

Der erste Weltkrieg brachte gleich zwei bekannte Hannoveraner Gesichter an die Front: Paul von Hindenburg, seit 1911 Ruhständler in einer der Stadtvillen und Hermann Löns, den Heimatdichter und Verbindungsstudenten. Der Euphorie bei Kriegsbeginn wich schon bald die Ernüchterung. Die Versorgung der Stadt gestaltete sich als schwierig. Die Novemberrevolution erfasste Hannover: Wohnungsnot, Hunger und Arbeitslosigkeit, ein allgemeines Gefühl der Leere machte sich bei Kriegende in der Bevölkerung breit. 

Erst in den Jahren zwischen 1924 und 1928 fasste die hannöversche Industrie wieder Tritt. Es kam zur Konzentration von Kapital und Produktionen. Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung geriet Hannover ab 1928/29 in den Sog der Weltwirtschaftskrise. Zahlreiche Fabriken mussten schließen, Massenarbeitslosigkeit gehörte zum Alltag. Deswegen etablierte sich bereits Anfang der 1930er Jahre die NSDAP in Hannover. Die Nationalsozialsten hinterließen deutliche Spuren im Stadtbild. Sie beschlossen als Arbeitsbeschaffungsmassnahme die Anlage eines Sees von 780.000 m2 Fläche inmitten der Stadt zur Naherholung: den Maschsee. Der ab 1941 einsetzende Bombenkrieg traf Hannover besonders schwer. Die Stadt war als industrieller Standort für die Produktion von Maschinen (Firma Hanomag), Gummi (Firma Conti) und Batterien (Accumulatoren-Fabrik AG) für die U-Boot-Flotte ein primäres Ziel. In der Nacht vom 09/10. Oktober 1943 ging das alte Hannover endgültig unter. Das Grab des großen Leibnitz wurde zerschmettert, das barocke Schloss Herrenhausen vernichtet, das Palmenhaus im Berggarten zermalmt. Die ausgebombte und als Ruine belassene Aegidienkirche ist heute noch ein Symbol der Zerstörung und mahnt eindringlich zum Frieden.

Die Übernahme der Stadt durch die Briten markierte einen Neuanfang. Zwar mangelte es immer noch an Wohnraum und Lebensmitteln, der strenge Winter von 1946/47 setzten der Bevölkerung zu, 6 Millionen Kubikmeter Schutt mussten beseitigt werden, aber trotzdem oder gerade deshalb wurde Hannover die Keimzelle von Erfolgsgeschichten, die heute noch das Land prägen. Die erste Erfolgsgeschichte ereignete sich im September 1945, als Kurt Schumacher die SPD im Stadtteil Limmer neu gründete. Ein wichtiger Baustein der Demokratie war damit gelegt. Mit dem Sozialdemokraten Hinrich Wilhelm Kopf (dem „Roten Welfen“) stellte die SPD den ersten Ministerpräsidenten des am 1. November 1946 neuen gegründeten Landes Niedersachsen. Eine andere Erfolgsgeschichte begann am 4. Januar 1947. An diesem Tag erschien in Hannover erstmals ein Zeitschrift mit dem Titel “Diese Woche”, nachdem ein Mann namens Rudolf Augstein der britischen Militärregierung eine Drucklizenz abgeluchst hatte. Heute firmiert diese Zeitschrift unter dem weitaus bekannteren Namen ”Der Spiegel”. Die letzte und sicher außergewöhnlichste Erfolgsstory fand ihren Anfang aber am 18. August 1948: Die erste Exportmesse wurde in Stadtteil Laatzen eröffnet. Heute ist sie als Hannovermesse, mit rund 6.000 Ausstellern auf 230.000 m2 und 240.000 Besuchern jährlich, die größte Industriemesse der Welt.

Der Wiederaufbau der Stadt begann rasch dank dem einmaligen Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht, der das “Wunder von Hannover” schuf. Heute wirken Hillebrechts Ideen der autogerechten Stadt, die Vernichtung der barocken Fluchtlinien und die Asphaltierung eher abschreckend, geblieben ist jedoch sein Konzept einer Fußgängerzone, die Hannover zur bedeutendsten Einkaufsstadt Norddeutschlands machte. Die 1960er und 1970er Jahren brachten die typischen Entwicklungen: Eingemeindungen, Modernisierungen, Hochschulerweiterung, Verkehrsinfarkte und Flughafenausbau. Den wichtigsten Impuls bildete, neben Gründung der CEBIT Anfang der 1980er Jahre, die EXPO mit dem Motto “Mensch, Natur und Technik”, die eine weitgehende Modernisierung der Stadt einleitet. Die Welt war einen Sommer lang zu Gast in Hannover, und ungezählt sind die Partys, die Umzüge und die Festivitäten jener Zeit.

Heute präsentiert sich Hannover als eine moderne Großstadt mit 13 Bezirken auf 200 km2 Fläche. Eine Region mit Dienstleistungssektor, vielfältigen Forschungsbereichen, trendiger Kulturszene und zahlreichen Industrie-Messen. Eine Stadt zum Leben, Studieren und Wohlfühlen.



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